Der Wandel hin zu erneuerbaren Energien und einer modernen Strominfrastruktur treibt weite Teile der deutschen Wirtschaft an. Während die Produktion einzelner Komponenten wie Solarmodule stark nach Asien verlagert wurde, profitiert Deutschland spürbar von der Installation, dem Betrieb und dem massiven Ausbau der Netze.

Große Maschinen und neue Jobs in der Fertigung

Ein Beispiel für den industriellen Aufschwung zeigt sich bei Siemens Energy in Nürnberg. Dort arbeitet unter anderem Olena Harmata in der Produktion von Großtransformatoren, die bis zu 500 Tonnen wiegen und jeweils rund 12.000 Arbeitsstunden erfordern. Der Konzern investiert 220 Millionen Euro in die Standorterweiterung, vergrößert das Werk um 16.000 Quadratmeter und plant 350 zusätzliche Arbeitsplätze. Im dritten Geschäftsquartal 2026 lag der weltweite Auftragsbestand des Unternehmens bei 162 Milliarden Euro, angetrieben vor allem durch die Netztechnik.

Auch im Windkraftsektor zieht die heimische Fertigung an. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 958 neue Windkraftanlagen an Land mit einer Leistung von 5,2 Gigawatt errichtet. In Aurich baut Enercon Maschinenhäuser und Naben, während Generatoren in Magdeburg entstehen. Das Unternehmen investiert bis zu 30 Millionen Euro in seinen Maschinenpark in Aurich. Benjamin Seifert, verantwortlich für das internationale Geschäft bei Enercon, verzeichnet für das zweite Jahr in Folge eine Steigerung der Installationen in Deutschland um rund 30 Prozent, während der Auftragseingang um etwa 40 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro kletterte. Neben internationalen Komponentenlieferungen aus Ländern wie Portugal, der Türkei, China oder Indien bleibt Rostock für den Nordex-Konkurrenten ein wichtiger Produktionsstandort für Maschinenhäuser, Naben und Antriebsstränge.

Regionale Wertschöpfung durch Handwerk und Bauwirtschaft

Noch deutlicher wird die lokale Verankerung beim Ausbau der Solarenergie. Im Jahr 2025 kamen 16,4 Gigawatt an Solarleistung hinzu, womit Ende des Jahres insgesamt 117 Gigawatt installiert waren – etwa zur Hälfte auf Gebäude- und Freiflächen. Obwohl viele Module aus Asien stammen, entfällt ein Großteil der Arbeit auf heimische Branchen: Handwerker prüfen Dächer, planen Anlagen, bauen Gerüste und Unterkonstruktionen auf, während Elektriker Leitungen, Wechselrichter und Speicher installieren.

Untersuchungen von Ökonomen des IÖW, des Berlin-Instituts und der IW Consult verdeutlichen den wirtschaftlichen Effekt: Wind- und Solarenergie erzeugten bereits 2023 rund zehn Milliarden Euro an direkter Wertschöpfung in Deutschland, wobei bis zu 5,5 Milliarden Euro direkt in den jeweiligen Regionen verblieben. Im Jahr 2025 arbeiteten laut Statistiken 436.300 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien – ein neuer Höchstwert. Insgesamt wurden in diesem Bereich 2025 rund 37,6 Milliarden Euro investiert.

Der Ausbau der Netze als Rückgrat der Energiewende

Mit dem Zubau von Wind- und Solaranlagen wächst auch der Bedarf an Netzinfrastruktur. Allein Amprion investierte 2025 etwa 5,4 Milliarden Euro in sein Übertragungsnetz, 2026 sollen rund sieben Milliarden folgen, und bis 2030 sind etwa 42 Milliarden Euro eingeplant. Unternehmensangaben zufolge baute Amprion 2025 rund 320 Leitungskilometer – ein Zuwachs von etwa 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für die Verteilnetze beziffert eine KfW-Studie die notwendigen Investitionen bis 2045 auf rund 251 Milliarden Euro.

Der Ausbau bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Nach Berechnungen der Bundesnetzagentur gab es im Jahr 2025 genau 573 Stunden, in denen der Strompreis an der Börse negativ war, während zu anderen Zeiten bei geringer Einspeisung von Wind und Sonne mehr als 100 Euro pro Megawattstunde fällig wurden. Trotz dieser Schwankungen zeigt sich, dass wesentliche Teile der Wertschöpfungskette – von der Planung über den Bau von Netzen und Umspannwerken bis hin zur Installation vor Ort – fest in Deutschland verankert sind und Arbeitsplätze sowie Know-how sichern.