An der Wall Street haben die US-Börsen am Dienstag uneinheitlich geschlossen, während Anleger vor den richtungsweisenden Zwischenwahlen spürbare Zurückhaltung zeigten. Im Fokus standen dabei vor allem die Umschichtungen im Technologiesektor, bei denen KI- und Chipwerte kräftig zulegten, während Apple als Bremsklotz wirkte.

Technologiewerte im Wandel: KI-Rallye und Apple-Dämpfer

Die Erholung bei den Technologiewerten folgte auf eine jüngste Schwächephase. Der Nasdaq 100 hatte am Montag mehr als zehn Prozent unter seinem Rekordhoch von Anfang Oktober geschlossen und sich damit in einer technischen Korrektur befunden, angetrieben von Sorgen, dass massive Investitionen in die KI-Infrastruktur die kurzfristige Rentabilität übersteigen könnten.

Am Dienstag griffen Investoren jedoch wieder bei Chip- und KI-Unternehmen zu. Nvidia stieg um 2,3 Prozent, während Microsoft und Amazon jeweils um mehr als zwei Prozent zulegten. Jay Hatfield von Infrastructure Capital Management sprach in diesem Zusammenhang von einer Umschichtung von sicheren Technologiewerten wie Apple in risikoreichere Chiphersteller.

Die Aktie von Apple gab um 1,9 Prozent nach und belastete den Markt. Der iPhone-Hersteller hatte zuvor gewarnt, dass steigende Kosten für Speicherchips die Bruttomarge im wichtigen Weihnachtsquartal schmälern würden.

Einfluss der US-Zwischenwahlen und Marktreaktionen

Die US-Zwischenwahlen dominierten das Marktgeschehen. Die Wähler entschieden über die Mehrheitsverhältnisse im Kongress für die verbleibenden zwei Jahre der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump. Laut Ken Mahoney von Mahoney Asset Management bewerteten die Märkte mögliche Auswirkungen auf Finanzpolitik, Regulierung, Besteuerung und Staatsausgaben. Es sei vorteilhaft, dieses unsichere Ereignis hinter sich zu bringen.

Der technologielastige Nasdaq legte letztlich um 0,8 Prozent auf 25.372 Stellen zu, und der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,4 Prozent auf 7568 Zähler. Der Dow-Jones-Standardwerte-Index verlor hingegen 0,4 Prozent auf 51.787 Punkte. Für das Gesamtgar 2026 notiert der S&P 500 trotz jüngster Verluste noch immer mehr als zehn Prozent im Plus.

Weitere Entwicklungen an den Märkten

Abseits des Technologiesektors gab es bei Einzelwerten und Rohstoffen verschiedene Bewegungen zu verzeichnen:

  • Pfizer: Hob die Wachstumsprognosen für das Jahr an, gestützt durch die Dynamik neuer Produkte wie dem Krebsmedikament Padcev, was rückläufige Umsätze mit Covid-19-Impfstoffen ausglich.
  • Marathon Petroleum: Profitierte von gestiegenen Kraftstoffpreisen im dritten Quartal, verzeichnete einen mehr als verfünffachten Nettogewinn und vereinbarte den Verkauf von zwei Raffinerien im Mittleren Westen an CVR Energy für rund 4,2 Milliarden Dollar.
  • Yum Brands: Meldete eine Erholung der Taco-Bell-Umsätze nach einem früheren Cyclospora-Ausbruch.
  • Rohöl und Gold: Rohöl-Futures in New York fielen um 37 Cent oder 0,4 Prozent auf 96,09 Dollar pro Barrel, gestützt durch Berichte über einen US-Militärangriff auf die iranische Insel Qeschm. Gold-Futures sanken um 29 Dollar oder 0,7 Prozent auf 3927,90 Dollar pro Feinunze.

Unterschiedliche Stimmen zur KI-Blase

Unter Analysten und Hedgefonds-Managern herrscht weiterhin Uneinigkeit über die Risiken am Aktienmarkt. Elliott Investment Management unter der Leitung des aktivistischen Investors Paul Singer warnte in einem Brief vor einem drohenden Bärenmarkt und verglich die Spekulationen auf KI-Unternehmen mit dem überhitzten Markt der 1920er Jahre. Auch Ken Griffin hatte im Vormonat geäußert, der KI-Boom zeige Anzeichen einer spekulativen Blase. Demgegenüber halten Optimisten wie UBS Global Wealth Management den jüngsten Ausverkauf für eine vorübergehende Erscheinung, gestützt auf die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastrukturausrüstung.