Ursprünglich hatten Politiker wie Präsident Donald Trump den Bau gigantischer Rechenzentren als wirtschaftlichen Segen gepriesen. Doch der anfängliche Enthusiasmus ist verflogen. Umfragen des Pew Research Centers verdeutlichen eine drastische Verschlechterung der Wahrnehmung im Jahresverlauf:
- Stromkosten: Im August ging jeder Zweite davon aus, dass die Anlagen die Haushaltskasten erhöhen (im Januar waren es noch 38 Prozent).
- Lebensqualität: Die Befürchtung einer verschlechterten Lebensqualität in der Nachbarschaft stieg von 30 Prozent zu Jahresbeginn auf zuletzt 49 Prozent.
- Umweltsorgen: Auch Bedenken hinsichtlich des massiven Wasser- und Energieverbrauchs nahmen deutlich zu.
Selbst im direkten Umfeld des Silicon Valleys, etwa im kalifornischen Städtchen Gilroy, formiert sich Widerstand gegen geplante Amazon-Rechenzentren. Die Demokraten griffen das Thema nach ihrer Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2024 dankbar auf, um bei den Wählern zu punkten.
Der Stimmungswechsel zwingt zahlreiche Republikaner in umkämpften Regionen zum Umdenken. So stoppte der texanische Gouverneur Greg Abbott vor einigen Wochen die Genehmigungsverfahren für rund 1800 Rechenzentren aufgrund von Bedenken beim Wasser- und Stromverbrauch – nachdem er zuvor noch eine Investition von Google in Höhe von 40 Milliarden Dollar gefeiert hatte. Abbott strebt im November eine vierte Amtszeit an, sieht sich jedoch starker Konkurrenz durch die demokratische Kandidatin Gina Hinojosa ausgesetzt, die ihm vorwirft, die Tech-Industrie über die Interessen der Bürger zu stellen. In jüngeren Umfragen schloss Hinojosa bis auf drei Prozentpunkte zu Abbott auf.
Auch in anderen Bundesstaaten fordern republikanische Kandidaten schärfere Leitplanken oder Pausen für den Bau. In Michigan sprach sich Mike Rogers für eine Auszeit aus, während der in Ohio zur Wiederwahl stehende Senator Jon Husted von politischen Gegnern als "Gesicht der Rechenzentren" attackiert wird. Einer internen E-Mail der Republikanischen Partei zufolge wird die Branche in der Öffentlichkeit zunehmend als toxisch wahrgenommen.
Für die Kandidaten entsteht hierbei ein Dilemma, da Präsident Trump in Washington weiterhin an der Zukunft der Rechenzentren festhält. Zwar schlug Trump vor, Betreiber sollten den betroffenen Regionen eine „Dividende“ zahlen, und seine Regierung drängte im September auf gelockerte Umweltregeln für Anlagen und fossile Kraftwerke. Dennoch bleibt die Nachfrage nach Computerkapazitäten im Zuge des KI-Booms ungebrochen hoch.
Tech-Konzerne versuchen derweil, die Wogen mit finanziellen Mitteln zu glätten. So stellte Meta einen Fonds über eine Milliarde Dollar für betroffene Regionen bereit, und andernorts werden direktere Anreize geschaffen – wie etwa in Hazle Township in Pennsylvania, wo Haushalten bei Zustimmung jeweils 10.000 Dollar versprochen wurden.
Ob die Kontroverse um die Rechenzentren das Wahlergebnis letztlich entscheidend prägen wird, bleibt abzuwarten. Laut einer Erhebung der „New York Times“ und des Marktforschers Siena nannten in Ohio lediglich drei Prozent KI und Rechenzentren als das für ihre Wahlentscheidung wichtigste Thema, während Lebenshaltungskosten und Außenpolitik das Geschehen dominierten.

