Bei großen Menschenansammlungen stößt die herkömmliche Mobilfunkinfrastruktur schnell an ihre Grenzen. Wenn Netze überlastet sind oder ausfallen, greifen Demonstranten vermehrt auf alternative Kommunikationswege zurück, die komplett ohne Internetverbindung und Mobilfunkmasten funktionieren. Ein bemerkenswerter Hype um solche Technologien zeigt sich aktuell in Frankreich.
Im Zuge von Jugendprotesten und Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten erfreut sich der Messenger-Dienst Bitchat dort enormer Beliebtheit. Die Anwendung rückte kürzlich an die Spitze der Download-Charts im französischen Appstore in der Kategorie der sozialen Netzwerke vor, nachdem bereits zuvor stark gestiegene Nutzerzahlen verzeichnet worden waren.
Wie Bitchat ohne Internet und Mobilfunk funktioniert
Die Anwendung setzt auf eine dezentrale Bluetooth-Architektur, die es den beteiligten Geräten ermöglicht, direkt miteinander zu kommunizieren. Da die Nachrichten von Smartphone zu Smartphone weitergereicht werden, ist eine stabile Internetverbindung hinfällig. Die technischen Merkmale des Dienstes umfassen:
- Mesh-Netzwerk: Nachrichten werden bei einer hohen Dichte von Nutzern über längere Strecken von einem Gerät zum nächsten weiterverbreitet.
- Kein zentraler Server: Es existiert keine zentrale Instanz, über die der Datenverkehr abgewickelt wird.
- Gruppenfunktionen: Neben Direktnachrichten können Anwender auch Chatgruppen bilden und diesen beitreten.
- Anonymität: Bei der Nutzung müssen keine Telefonnummern oder persönlichen Daten angegeben werden.
Sicherheitsfunktionen und behördliche Reaktionen
Neben dem Unabhängigkeitsfaktor von klassischen Netzen legt der Dienst einen starken Fokus auf den Schutz der Privatsphäre. Sämtliche privaten Nachrichten werden automatisch verschlüsselt. Zudem verfügt die Anwendung über eine integrierte Selbstzerstörungsfunktion, mit der sich sämtliche gespeicherten Daten bei Bedarf schnell löschen lassen.
Wegen dieser Eigenschaften war die Software zuvor bereits vor allem in autoritär regierten Staaten im Einsatz, um behördliche Überwachung zu erschweren. Dies führt international immer wieder zu Konflikten mit Regierungen. Nach Angaben des Unternehmens wurde die App im Oktober von den indischen Behörden aus dem dortigen Appstore entfernt, nachdem es zuvor bereits im April zu einer Löschung im chinesischen Appstore gekommen war.
Hintergrund und Verfügbarkeit
Ins Leben gerufen wurde Bitchat im Jahr 2025 vom Twitter-Gründer Jack Dorsey. In Deutschland steht die Anwendung unter dem Namen "bitchat mesh" im Appstore von Apple sowie unter der Bezeichnung "bitchat" im Google Play Store zum Download bereit.

