Die Wall Street erlebte am Mittwoch einen massiven Einbruch, der von Marktbeobachtern als „echte Panik“ bezeichnet wurde. Auslöser für den Ausverkauf waren die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen, bei denen die Demokraten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat für sich entscheiden konnten. Die Anleger reagierten mit Sorge auf die Aussicht einer strengeren Regulierung, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI).

Technologie-Indizes unter Druck

Der Ausverkauf traf die Technologiewerte besonders hart. Der Nasdaq-Index verzeichnete ein Minus von 5,5 Prozent und schloss bei 24.315 Punkten – der stärkste Tagesverlust seit 19 Monaten. Damit rutschte der Index in eine technische Korrektur, da er nun mehr als zehn Prozent unter seinem Rekordhoch vom 6. Oktober liegt. Auch der S&P 500 gab um 4,4 Prozent auf 7354 Punkte nach, während der Dow-Jones-Index um 3,4 Prozent auf 51.523 Zähler fiel.

KI-Infrastruktur im Fokus der Politik

Im Zentrum der Sorgen steht die Zukunft der KI-Rechenzentren. Strategen der UBS warnten, dass politische Widerstände den Ausbau der Infrastruktur bis 2028 erheblich verlangsamen könnten. Schätzungen zufolge könnten etwa 30 Prozent der für 2028 geplanten Projekte durch regulatorische Hürden gefährdet sein. Kritiker führen gegen den Bau neuer Rechenzentren vor allem den enormen Strombedarf, potenzielle Auswirkungen auf die Energiepreise für Privathaushalte sowie Bedenken hinsichtlich Lärmbelastung, Luftverschmutzung und Wasserverbrauch an.

Die politische Stimmung hat sich durch den Wahlsieg der Demokraten spürbar gedreht. Während die Republikaner als Befürworter einer Deregulierung gelten, zeigen sich die Demokraten skeptischer gegenüber dem rasanten KI-Ausbau. Ein konkretes Beispiel für diesen Gegenwind ist Texas: Die designierte demokratische Gouverneurin Gina Hinojosa hat bereits ein sofortiges Moratorium für den Bau neuer Rechenzentren gefordert.

Massive Verluste bei Chip-Herstellern

Die Auswirkungen auf die Börsenkurse waren unmittelbar und drastisch. Besonders Unternehmen, die als Rückgrat der KI-Infrastruktur gelten, mussten zweistellige Kursverluste hinnehmen:

  • Der Philadelphia Semiconductor Index brach um mehr als zwölf Prozent ein.
  • Nvidia-Aktien verloren über neun Prozent an Wert.
  • Betreiber von Rechenzentren wie IREN und Applied Digital verzeichneten Kursrückgänge von mehr als 14 Prozent.
  • Auch große Tech-Konzerne wie Meta, Amazon und Alphabet schlossen mit deutlichen Verlusten.

Jay Hatfield, CEO bei Infrastructure Capital Advisors, fasste die Stimmung am Markt zusammen: „Das ist eine echte Panik“, die zu 100 Prozent auf die Befürchtung einer Verlangsamung des KI-Booms zurückzuführen sei. Während der Markt nun die regulatorischen Konsequenzen der neuen Machtverhältnisse im Kongress bewertet, bleibt die Unsicherheit über die langfristige Rentabilität der KI-Infrastrukturprojekte das dominierende Thema für Investoren.