Auf der kanarischen Insel La Palma sind vier neuartige Großteleskope offiziell eingeweiht worden. Auf dem 2.200 Meter hohen Gipfelkamm des Roque de los Muchachos suchen die Instrumente des sogenannten „LST Subarrays“ künftig nach hochenergetischer Gammastrahlung aus fernen Galaxien. Die Einweihung in dieser Woche markiert den Höhepunkt einer mehr als 15-jährigen internationalen Zusammenarbeit.
Die Erforschung kosmischer Gammastrahlen geht auf einen historischen Zufallsfund zurück: Ein Fehlalarm bei der Suche nach verbotenen Atomtests führte Wissenschaftler zu einem Signal aus dem All. Wenn hochenergetische Gammastrahlung auf die Erdatmosphäre trifft, löst sie einen Schauer aus geladenen Teilchen aus. Da sich diese Teilchen schneller durch die Luft bewegen als Licht in diesem Medium, entsteht ein schwaches blaues Leuchten, das sogenannte Tscherenkow-Licht. Genau dieses schwache blaue Leuchten fangen die vier riesigen Spiegel auf La Palma ein.
Die Anlage auf La Palma bildet den ersten Baustein des weltweiten Cherenkov Telescope Array Observatory (CTAO), das bis 2030 mit insgesamt 64 Teleskopen zum weltweit größten und empfindlichsten bodengebundenen Observatorium für hochenergetische Gammastrahlung ausgebaut werden soll. Um den ganzen Himmel beobachten zu können, hat das CTAO neben La Palma einen zweiten Standort in der Atacama-Wüste in Chile. Von dort haben Forscher auch einen Blick auf das Zentrum unserer Milchstraße, in dem es besonders viele Neutronensterne und Schwarze Löcher gibt, die Gammastrahlen aussenden.

