Neue Gesteinsanalysen aus Südchina zeichnen ein differenziertes Bild der extremen Marinoan-Eiszeit vor rund 650 bis 635 Millionen Jahren. Entgegen der Annahme einer völlig starren und gleichförmigen Vereisung während der sogenannten Schneeball-Erde belegen Sedimentschichten wiederholte Eisvorstöße und Rückzüge.

Ein Forschungsteam der Chengdu University of Technology (CDUT) unter der Leitung von Prof. Xianguo Lang untersuchte dafür flachmarine Gesteinsprofile der Nantuo-Formation in den Provinzen Hubei und Hunan. Die Wissenschaftler verglichen diese Daten mit bereits analysierten Tiefwasserprofilen desselben Beckens. Durch die Untersuchung von sechs verschiedenen Sedimentgesteinen – darunter grober Gletscherschutt, Sandsteine sowie fein geschichtete Schluff- und Tonsteine – konnte das Team die einstige Entfernung der Eisfront rekonstruieren.

Die analysierte Schichtenfolge zeigt zunächst einen Vorstoß der Gletscher, gefolgt von einer Rückzugsphase, einem weiteren Vorstoß und schließlich einem erneuten Rückzug mit verstärkter Ablagerung feiner Sedimente. Da sich diese charakteristischen Wechsel sowohl in den flacheren Randgebieten als auch in tieferen Meeresregionen zeigen, dürften die Veränderungen weite Teile des damaligen Beckens erfasst haben. Die Ergebnisse verdeutlichen den dynamischen Charakter dieser historischen Kältephase und liefern wichtige Daten, um Klimamodelle präziser mit geologischen Befunden abzugleichen.