Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte in ganz Europa sind Ziel einer ungewöhnlichen und zerstörerischen Cyberattacke geworden. Hacker nutzten veraltete Software an Steuerungscomputern aus, um gezielt die Temperaturen in Kühlregalen hochzuregeln. Die Vorfälle verdeutlichen, wie verwundbar vernetzte Infrastrukturen im Einzelhandel mittlerweile sind.

europaweite Angriffe auf Kühlregale

Die Serie von Cyberangriffen ereignete sich am Montag in den Niederlanden, Belgien, Schweden, Luxemburg, Estland und Irland. Auch in Deutschland meldeten mehrere Supermärkte entsprechende Vorfälle. In den frühen Morgenstunden vor Ladenöffnung drangen die Angreifer in die Temperaturregelung ein und heizten die Kühlungen massiv auf. Berichten zufolge stiegen die Temperaturen in einigen belgischen Märkten auf über 70 Grad Celsius.

Große Mengen an Frischfleisch und Tiefkühlware verdarben durch die Manipulation und mussten aus Sicherheitsgründen entsorgt werden. Bereits rund einen Monat zuvor hatte es eine ähnliche Attackswelle in Frankreich gegeben, die ebenfalls massive Lebensmittelverluste zur Folge hatte.

betroffene Standorte in Deutschland

In Deutschland waren bisher vor allem vereinzelte Märkte betroffen:

  • Ein Edeka-Markt im niederbayerischen Reisbach meldete einen Angriff auf sein Kühlregal.
  • In Nordrhein-Westfalen traf es bereits am Wochenende einen Supermarkt in Wuppertal sowie einen in Volmarstein, die beide zur CAP-Kette gehören.
  • Ein weiterer betroffener Markt liegt im münsterländischen Raesfeld.

Ob noch mehr Filialen betroffen sind, ist unklar. Die genaue Methode, wie sich die Hacker den Zugriff auf die Steuerungscomputer verschafften, wird noch untersucht. Experten betonen jedoch, dass die Täter mit dem Zugriff theoretisch noch größeren Schaden hätten anrichten können, da die Systeme oft auch Licht, Energiemanagement und Warnfunktionen steuern.

warum die digitale Vernetzung zum Einfallstor wird

Die Elektronik in modernen Supermärkten ist stark zentralisiert. Steuerungscomputer überwachen Kühlschränke, Truhen und Regale und sind mit dem Internet verbunden. Dies ermöglicht es berechtigten Personen, auch nach Ladenschluss oder am Wochenende Benachrichtigungen auf dem Smartphone zu erhalten. Zudem können Hersteller oder Reparaturfirmen Geräte aus der Ferne warten, ohne dass ein Techniker anreisen muss.

Genau dieser Internetanschluss birgt jedoch Risiken. Jedes mit dem Netz verbundene Gerät kann von Kriminellen angezapft werden, sofern es nicht ausreichend geschützt ist. Das Cybersicherheitsunternehmen Forescout hatte im Oktober eine Analyse veröffentlicht, wonach weltweit knapp 13.000 Kühlgeräte über mehr als 6000 Internetadressen frei im Netz standen. Davon stammten knapp 5000 vom Hersteller Danfoss, während der Großteil von rund 7000 Geräten auf die Hersteller Copeland und die Marke Dixell entfällt. Solche Einheiten stehen nicht nur in Supermärkten, sondern auch in der Lebensmittelindustrie, auf Bauernhöfen, Weingütern oder in Krankenhäusern.

schutzmaßnahmen und Ausblick

Bereits Mitte Oktober hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor Hackerangriffen in Deutschland gewarnt. Laut Forescout liefen bei den untersuchten Danfoss-Geräten 80 Prozent mit veralteter Software, die nicht dem aktuellen Stand entsprach.

Um solche Vorfälle künftig zu verhindern, raten Cybersicherheitsexperten und der Hersteller Danfoss zu konkreten Schritten:

  • Durchführung dringender Softwareupdates.
  • Trennung der Geräte vom offenen Internet.
  • Nutzung gesicherter Verbindungen für notwendige Fernwartungen durch Techniker.
  • Austausch älterer Modelle, für die keine Sicherheitsupdates mehr bereitgestellt werden.

Ob sich die Attacken auf deutsche Märkte ausweiten, bleibt abzuwarten. Die aktuellen Vorfälle zeigen jedoch, dass IT-Sicherheit längst kein reines Büroproblem mehr ist, sondern direkt im Kühlregal entscheidet.