Die Euphorie an der Wall Street war nur von kurzer Dauer. Nachdem der Dow Jones am Mittwoch noch den stärksten Handelstag seit April 2025 verzeichnete, schlug die Stimmung am Donnerstag abrupt um. Die Anleger flüchteten in einer breiten Verkaufswelle aus dem Technologiesektor, was den Nasdaq Composite um 5 Prozent auf 24.360 Punkte drückte. Damit notiert der Index nun mehr als zehn Prozent unter seinem Rekordhoch vom Vormonat und ist offiziell in eine Korrekturphase eingetreten.

Chip-Sektor unter massivem Verkaufsdruck

Besonders hart traf es die Halbleiterbranche, die als Herzstück des KI-Booms gilt. Qualcomm verzeichnete trotz solider Quartalszahlen einen Kurssturz von über 12 Prozent, da der Ausblick des Unternehmens die Erwartungen der Investoren enttäuschte. Auch andere Branchengrößen wie Micron, Sandisk, AMD und SK Hynix mussten zweistellige Verluste hinnehmen. Broadcom verlor 9 Prozent an Wert, während der Marktführer Nvidia einen Einbruch von 8 Prozent verbuchte – der stärkste Tagesverlust seit dem sogenannten „Liberation Day“ im Frühjahr 2025.

Die Schwäche erstreckte sich zudem auf spezialisierte KI-Cloudanbieter. Unternehmen wie CoreWeave, Nebius und Iren mussten Abschläge zwischen 12 und 17 Prozent verkraften. Auch Tesla und SpaceX gerieten unter Druck und verloren jeweils rund 10 Prozent. Im Vergleich dazu zeigten sich die großen Tech-Konzerne wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Apple mit Verlusten zwischen 1 und 4 Prozent vergleichsweise widerstandsfähig.

Unsicherheit über KI-Investitionen belastet

Analysten führen den plötzlichen Stimmungsumschwung auf eine wachsende Skepsis hinsichtlich der Rentabilität und Finanzierung von KI-Projekten zurück. Laut Chris Murphy von Susquehanna besteht eine zunehmende Unsicherheit darüber, wie schnell und mit welchen Mitteln die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz in Zukunft gestemmt werden sollen.

Ergänzend dazu wiesen Experten von MRB Partners darauf hin, dass derzeit eine „Marktbereinigung“ in den spekulativsten Bereichen des Technologiesektors stattfindet. Zudem könnten die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen den Gegenwind für große Technologieunternehmen und den weiteren Ausbau von Rechenzentren verschärfen. Diese Entwicklung macht auch vor dem deutschen Markt nicht halt: Infineon verlor über 11 Prozent, und auch Zulieferer für Rechenzentren wie Hochtief und Siemens Energy verzeichneten deutliche Kursverluste.